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InterArt
 
 
 
 

Es war einmal im Club "GOROD" als sich eine wild zusammengewürfelte Gruppe talentierter Menschen traf, vereint durch den Wunsch Theater zu spielen...

Seitdem sind 20 Jahren vergangen, der kleine Club wurde zum facettenreichen Kulturzentrum, das “Interart”-Theaterstudio trifft sich aber nach wie vor an jedem Dienstag- und Donnerstagabend um 20:00 Uhr.

Dann kann alles passieren: Auf der Bühne verwandelt sich eine Buchhalterin in eine Prinzessin, ein Programmierer wird plötzlich zu einem  Musikinstrument, ein Chemiker zu einer Königin.

Die Bedingungen, unter denen das Theater arbeitet, erlauben es zwar leider nicht das Repertoire schnell zu erweitern, deswegen legen wir umso mehr Wert auf Qualität und stecken unser Herzblut in jedes neue Werk.

Dank zahlreicher Aufführungen und Tourneen sind wir stolz, sagen zu dürfen, in München als auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt zu sein.

Doch die Voraussetzungen sind, gelinde gesagt, nicht immer optimal. Bei der Aufführung “Unglaubliche Liebe” von Alexey Slapovsky (Regie: Emilia Arshanskaya) in der Ukraine wurden wir beispielsweise mit nicht betriebsbereiten Heizungen und Sanitäranlagen konfrontiert - und das im November!

Als wir in einem schrecklich kalten Theater eine Badehaus-Szene spielten, hatten wir nur Handtücher an und fühlten uns dem Erfrieren nahe.

In einem vollbesetzten Saal saß das Publikum wegen der Eiseskälte in ihre Mänteln eingepackt, unsere Aufführung vorzeitig verlassen wollte dann aber doch niemand. Dieses Zeichen der Solidarität, des Respekts und noch dazu stehende Ovationen am Ende des Stücks waren unsere größte Belohnung. Eine solch (doch irgendwie) warme und herzliche Resonanz bleibt für immer in unserer Erinnerung.

Im November 2019 nahmen wir am ersten Interkulturellen Theaterfestival Münchens teil, wo “Unglaubliche Liebe” mit Simultanübersetzung ins Deutsche aufgeführt wurde. Wieder einmal wurden wir mit stehenden Ovationen bedacht.

Im Frühjahr 2020 nahm unser Theater-Ensemble am internationalen Online-Wettbewerb "Theatre.net" teil. Völlig unerwartet schaffte unser "August", nach dem Drehbuch von Tracy Letts, es in die Kategorie "Professionelles Theater", obwohl wir uns als Amateure beworben hatten. Natürlich waren wir überglücklich, fühlten uns geehrt, waren aber auch furchtbar aufgeregt!

Und die ganze Aufregung hat sich gelohnt: Nicht nur konnten wir uns erfolgreich gegen die wunderbare Konkurrenz durchsetzen und wurden mit dem Ersten Platz bedacht, Nikolai Bogdanov, der Regisseur des Stücks, bekam zusätzlich den dritten Platz in der Kategorie "Regisseur von professionellen Theatern" überreicht.

"Eine sehr professionelle Interpretation eines der komplexesten Stücke von Tracy Letts. Ein Werk eines solchen Dramaturgen und ein solcher Mut erfordern ein hohes Maß an Schauspiel-Kunst und entsprechende Schauspieler*innen. Und solche Schauspieler*innen hat der Regisseur! Ich würde nie behaupten, dass dies aus einem Amateurtheater stammt - so präsent und kraftvoll sind die Schauspieler*innen auf der Bühne. Der Bühnenraum ist organisch gestaltet und die Musik der Beatles schlägt eine interessante Brücke zwischen den Generationen. Die Arbeit jedes einzelnen Schauspielers ist ausgezeichnet - Bravo an den Regisseur für die Schaffung eines Ensembles aus diesen einzigartigen Persönlichkeiten", kommentierte der Vorsitzende der Jury, geehrter Künstler der Ukraine, Professor der Kiewer Universität für Kultur und Kunst, Vasil Nevolov.

Doch nach dem Stück ist vor dem Stück - wir machen mit mindestens genauso viel Elan weiter und freuen uns auf viele neue Begegnungen mit unseren Zuschauerinnen!